Category Archives: Wobble Bla

Weshalb Telemarketing Kacke ist: Weil echte Menschen anderen echten Menschen etwas verkaufen sollen, obwohl diese anderen echten Menschen andere Probleme haben.

Ich habe vor Jaaahren mal etwas über Telemarketing geschrieben. Da ging’s um Respekt und Common Sense unzo.

Ich muss das ergänzen: B2C-Telemarketing ist Kacke. Auf allen Ebenen; es bringt fürs B nur wenig, für C auch, und der in der Mitte, der die Anrufe von einem Computer automatisiert führen darf, darf sich dann auch damit herumschlagen:

»Hallo Herr … Erni? Hallo. Ich rufe an wegen …«

»Falls Sie nicht aus dem Pflegeheim unserer Oma anrufen, die eventuell in den nächsten Tagen stirbt, blockieren Sie gerade das Telefon.«

»… Tut mir leid. Alles Beste.«

Da saß ein MENSCH am Telefon, die Verbindung aufgebaut wegen irgendwelchen CRM-Algorithmen, und er hat angemessen reagiert. Aber ich frage mich: Was soll der Kack mit B2C-Telemarketing? Im besten Fall hat jemand gerade Zeit und Lust, über Versicherungen, Wein, oder neue Fensterläden zu sprechen. Im suboptimalen Fall hast Du gerade eine aus ihrer Orgasmus-Kurve geklingelt. (Was wohl einen Coitus-Interruptus-Award gibt.) Im schlechtesten Fall halt gerade das jetzt: Jemand ist krank, im Spital oder im Pflegeheim, jedes Telefonklingeln lässt einen aufschrecken.

Hut ab vor dem mir unbekannten Callcenter-Agent, der sich menschlich verhalten hat. Aber ich hoffe auch, dass sich die ganzen Outbound-Callcenter-Leute ernsthaft fragen, womit sie eigentlich ihre Provisionen verdienen. Kurz gesagt finanzieren sie sich den Lebensunterhalt damit, dass sie Leuten nicht gerade zu sehr in die Privatsphäre vorstoßen, und dann irgendetwas kaufen. Oder sie überreden Leute zu Käufen, die aus jedwelchen Gründen wankelmütig genug für ein Gespräch drauf sind. Oder sie schaffen ihre Quote nicht.

Super Job.

Mir ist klar, manchmal geht’s halt nicht anders, um seinen Kühlschrank zu füllen. Ich habe das selbst auch gemacht, vor x Jahren. Aber es hat weniger als 3 Wochen gedauert, bis ich merkte, was ich eigentlich mache. Ich hoffe, inständig, dass zumindest der Agent heute das auch merken wird. Und, ganz ernsthaft, dass diese ganze »kalte Acquise« untergeht. Hueresiech.

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Die WWDC14-Keynote deckte auf, dass ich unmodern bin.

Ein neues Jahr, eine neue Apple Entwickler-Konferenz. Auch aus beruflichen Gründen wollte ich sie mir »live« ansehen, immerhin war auch OSX 10.10 auf der Liste. Was ich nach 90 Minuten lernte: ich stecke im 20. Jahrhundert fest.

Schon von der ersten Minute an, beim Werbefilm, beschlich mich das Gefühl, dass ich das Konzept »Smartphone« die ganzen Jahre falsch verstanden haben könnte. Für mich ist ein Telefon vor allem eines: Kommunikations-Maschine. Mit ein Grund, dass ich vor ein paar Jahren meinen Wechsel von Blödfon auf Schlaufon mit einem Blackberry erledigte: Guter E-Mail-Client, geile Tastatur, perfekt für SMS, Mail, Twitter und Chat geeignet, Wechsel-Akku und geringer Stromverbrauch. Meine Kollegen lachten mich größtenteils aus, da gäbe es ja kaum Apps für. Ich verstand den Einwurf nicht; wenn ich unterwegs spielen will gibt’s bessere Alternativen, die mir nicht auch noch den Kommunikations-Akku leer saugen. Ich hatte noch nie Musik auf einem Handy, aus demselben Grund. Dass sich Leute so über Spotify oder gar Zattoo auf dem Handy freuten verstörte mich. Und so weiter, und so fort.

Jedenfalls lief der Werbefilm-Vorspann, ich kannte die meisten der darin angerissenen Apps dem Namen nach. Aber langsam beschlich mich das Gefühl, dass für einen Haufen Leute das Smartphone eine zentralere Rolle im Leben einnimmt als nur »Kommunikation« und »Unterhaltung«. Abstrakt dachte ich mir das schon länger, aber es perlte irgendwie an mir ab. Gestern jedoch verstand ich es endlich.

Natürlich sind mir die ganzen Fitbit-Geräte bei den Telefonhändlern auch aufgefallen, ebenso Lösungen, um mit dem iPad die Zimmerbeleuchtung oder den Fernseher zu steuern. Aber erst während der Keynote merkte ich, dass solche Konzepte keine Spielereien sind, zumindest nicht für einen großen Teil der Nutzer. Ich kenne Leute, die haben mehrere hundert Apps auf ihren Handys. Nicht nur Spiele oder verschiedene Messenger, sondern Musikstudio-Apps, Apps für Fluglinien, Universal-Fernbedienungen, ÖV, eBanking, Sprachtrainer, Schrittzähler und so weiter.

Gestern verstand ich: Das Handy ist für diese Menschen in erster Linie nicht Kommunikationszentrale sondern so etwas wie eine Erweiterung ihres persönlichen, durchaus auch physikalisch-praktischen Lebens. Natürlich gehört da auch Kommunikation dazu. Aber die Integration von »Smartphone« und »Leben« geht offenbar sehr viel tiefer als ich es verstanden hatte. Beziehungsweise wegen meiner persönlichen Smartphone-Nutzung als relevant erachtete.

Wenn jemand sein Handy verlegte war meine Frage ob des Panikanfalls immer: »Erwartest Du denn einen wichtigen Anruf?« und ich konnte das böse Glitzern im Auge und das gegrummelte »was???« nicht nachvollziehen. Aber für die panischen Handysucher war da nicht einfach der Kommunikationsweg verstellt, sondern sie verlegten auch einen mehr oder weniger großen Teil ihres »Real Life«. Würde ich einer Musikerin, die ihre Bassgitarre am Checkout sucht, auch sagen »Hast Du denn keine Ersatz-Gitarre?« Einem Autofahrer, der die Schlüssel verloren hat »Hast Du denn kein Halbtax-Abo?« Natürlich nicht.

Ganz ab von den vorgestellten Neuerungen war die Keynote für mich also ein Reality-Check. Nur, weil es mir nie in den Sinn gekommen wäre, Garagentüren mit dem Handy zu öffnen, meinen Schlafrhythmus damit zu überwachen oder darauf Kursunterlagen durchzuarbeiten heißt das noch lange nicht, dass das für viele, viele Menschen keine zentralen Smartphone-Aufgaben sein könnten. Oder sein werden.

Werde ich diese Smartphone-Welt irgendwann betreten können, betreten wollen, oder wird mich bis dahin der Altersstarrsinn (»Das habe ich schon immer so gemacht!!!«) übermannen? Ich bleibe gespannt. Und ich werde weiter darüber nachdenken müssen, was ich überhaupt davon halte. So ganz grundsätzlich unzo. Stichworte Datenschutz und Abhängigkeiten / Lock-in.

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Bientôt L’Eté is the bee’s knees.

Are computer games tombstones for civilisation’s moral codes? Or is there a middle-ground between art and entertainment? Yup, there is, and Tale of Tales just proved it once again.

Computer games are about killing things or collecting things, sometimes both at the same time. They also are a threat to adolescent minds, at least if you read too many press releases by politicians that studied too many Jack Chick cartoons. But then, there’s people that enjoy pushing the envelope without rocket launchers, Zombie hordes, or brainless Farmville grinding.

Bientôt l’été is the latest offering by Belgium-based studio Tale of Tales which I’ve mentioned quite often in this blog. Yes, The Path left a lasting impression. Sue me. But as much as I enjoy brainless hack-n-slays I love something that makes me go WTF? Something that makes me question whether we computer geeks truly understand what mighty tools information technology and the Wobble are, apart from ordering crap online, or tweeting about one’s lunch. Or killing Zombie hordes, but I digress.

Online, yes. Where Bientôt… really shines is in the encounters with random human beings who happen to play the “game” at the same time. It’s like a chat-room with predetermined phrases (and cigarettes). And as your counterpart is as much in the dark as you are, and has only collected a couple of phrases during the “game”, this makes for a both surrealist and suggestive conversation. And the outcome will determine whether and how you “progress”, and I’m not necessarily talking about a flock of dead seagulls.

Is there interactive art aside from weird installations in museums? Yup, there is, and as The Path suggested, Tale of Tales know what they’re doing. So if you like your gaming’s bees’ knees tickle your brains – and emotions – Bientôt l’été is where it’s at. And who knows? Perhaps there are Zombies in it somewhere, too. And if yes, you can be sure you won’t just stumble over them. You’ll experience it. I don’t think there will be any Zombies, but if there were you’d sure as hell think about what sad creatures they are and how to deal with zombification in your too humane life, or whether you’re supposed to be the Zombie, and what the fuck relationships have to do with it. Or something.

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NEED MORE HATRED: The evil that farmers do.

So you bought Diablo III at launch. You spent about 10h/day on the game, while it still was pretty raw and you were able to gain a couple of million “gold” with weirdo game mechanics, while, at the same time, you have alienated either your spouse, your boss, or both.

And now you defend your new-ish way of life with teeth, claws and the odd airborne pro-gamer mouse because Blizzard is fixing the game, making sure it plays the way they intended, without too many loopholes and bugs. Because, well, you don’t want to play a hack-n-slash, or Diablo, no, you want to play Farmville.

You bitch about the game developer removing bugs such as “you shall not walk over this weaponry” because, well, that’s what you play the game for. Reached level 60, beat Diablo @ Inferno difficulty? I.e. beat the game? No matter, you want to farm more and better gear so you can sell it for real money in the Auction House. Or because you enjoy running through the same “runs” again and again and again, hoping for the odd “Rare” or even “Legendary” drop from the same mob you already have farmed 42 times.

Blizzard says: “We don’t want people to farm bosses, we want them to play the bloody game” (paraphrased), and you moan about too few high-level items popping up after you’ve killed the same enemies again and again and again. You’re at level 60, killed Diablo in Inferno difficulty, The End™, but you still feel cheated because them monsters don’t deliver the goods, i.e. gear you didn’t need to finish the fucking game to begin with. Rather than replaying the game, you complain Act 3 isn’t “worth it anymore after the latest patch/nerf” as the items found in Acts 1 and 2 are on-par. Or whatever.

How about playing Act 3 because you enjoy playing Act 3?

But yeah, I understand. For you, Diablo III is like a job next to your day job. Farm lots online after getting home, sell the gear online, profit either monetarily or with a push to your self-esteem because you feel l33t. Blizzard nerfs your very existence, because you need to run through the same mobs again and again and again. You paid 30 Quid for the game, it simply needs to cater to your every whim, even though you’ve already spent 100 hours on it and, well, finished the bloody game.

Wait for the add-on, if you enjoyed Diablo III. If you didn’t find it too engaging, as you can’t farm enough, well – there’s always Farmville. I’m told there’s even a cow level.

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Stopping down is for babies and communists.

You paid helluva lot for that wide-aperture lens, so you’re going to use it. What’s the point in shooting at an aperture that complements an image’s composition, its message, and your personal understanding of documented reality?

Oh, wait. You just paid helluva lot for that wide-aperture lens, hence you damn well see the world at f/1.4 or below, so that’s fine. Pinpointing what matters™, highlighting it in gloriously shallow depth-of-field. After all, there’s the Bokeh to consider, the creamier, the better. Unless you bought a cheapo lens and the out-of-focus areas are kinda hard, in that case that’s the statement you truly wanted to make. The harsh reality outside of what normal people perceive. The human condition, rendered in two inches of sharpness, the rest in uncomfortable blur. You even got an ND filter to make sure you won’t get tempted to stop it down in brighter conditions. Because the shallowness is what it’s all about.

For example, how could the following photo profit from a stopped-down lens? Juxtaposing the mercantile marketing world represented by the discarded Coke can to newspapers ready for disposal? As a somewhat ironic comment? Are you bloody kidding me?

Yeah, that’s what you need f/1.1 for. Exactly this.

Na, the message is: the “% sodium” label sits in the same focus plane as the twine on the right. Because that’s what you can do with this fucking lens, that’s what it’s there for and what you’ve paid for. It’s huge, it’s heavy, it’s expensive. It’s irritating the manufacturer still bothers with aperture blades! Such lenses are made to be shot wide open, so you’ll do your damnedest to only use it wide open. Always. No exception. The Bokeh will make it a good image by default. No?

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