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Die traurige Geschichte von Hans-Peter – Eine Parabel.

Regen peitscht gegen die Fensterscheiben an der Sonnenseite des Ganges. Sonnenseite, denkt Hans-Peter, was für ein schönes Wort. Ich stehe auf der Sonnenseite des Lebens, an der Treppe zum Glück. Ha. Ha. Ha. Hans-Peter zieht etwas Asche hoch, und blickt traurig zu Nathalie. Die Tusse ignoriert ihn jetzt schon seit zwei Wochen, selbstversunken im Rauch verkohlender Zigarettenfilter schwelgend und leise vor sich hin summend. Hans-Peter seufzt tief und zerdrückt eine Träne. Der Regen peitscht weiter mit einer Unablässlichkeit, als hegte er einen persönlichen Groll gegen alle Fensterscheiben dieser Welt.

Hans-Peters Auftritt im Gang des fünften Stockwerkes hatte so vielversprechend begonnen. Ein Software-Hersteller und ein Mediamatik-Unternehmen, beide mit strengem Rauchverbot in den Räumlichkeiten. Vielleicht auch ein, zwei Kettenraucher, nervöse Besucher, sogar Lehrlinge – die Möglichkeiten schienen grenzenlos. Aber das Leben kann grausam sein, besonders dann, wenn man wie Hans-Peter ein Aschenbecher ist.

Aschenbecher-Abfalleimer, korrigiert sich Hans-Peter. Nicht einfach nur ein Aschenbecher wie Nathalie und der stoische Björn am anderen Ende des Ganges, sondern was … Besonderes. Oben ascht man rein, unten entsorgt man die leeren Zigaretten-Verpackungen. Und anders als Nathalie und der stoische Björn am anderen Ende des Ganges, die beide mit hässlichen Schrauben an die Wand gebunden sind, kann Hans-Peter auf eigenen Füssen stehen.

Als er vor drei Monaten seinen Platz vor der Türe des Mediamatik-Unternehmens einnehmen durfte, war er wirklich etwas Besonderes. Die Programmierer von nebenan frohlockten ob seines grossen Fassungsvermögens und bewunderten die elegant-schwarze Lackierung mit dem kecken Marlboro-Schriftzug. Fast schon andächtig wurden die ersten Zigarettenstummel durch den verchromten Grill im weissen Sand erstickt. Keine brennenden Filter für Hans-Peter! Während Nathalie und der stoische Björn am anderen Ende des Ganges des öfteren mit Wasser gelöscht werden mussten, damit der Gestank von schlecht ausgemachten Zigaretten nicht zu sehr störte, lauschte Hans-Peter den Lobpreisungen seiner Besucher und lachte mit ihnen mit, wenn mal wieder über den Ursprung des weissen Sandes diskutiert wurde. Côte d’Azur? Sand vom Mond? Platinstaub? Wie hat Hans-Peter sich über die Aufmerksamkeit und die Spässe seiner Besucher gefreut. Dabei wäre er eigentlich nur für die Kunden des Mediamatik-Unternehmens gedacht gewesen. Aber es machte ihm nichts aus, dass auch Angestellte seine Dienste in Anspruch nahmen. Freudig schluckte er die Zelophan-Verpackungen und liess sich eine Zigarette nach der anderen in seinen chrombewehrten Kopf schieben. Gauloises, Lucky Strike, Parisienne, Camel: Er mochte sie alle.

Die Lichter werden für die Nacht gelöscht. “Das ist meine gerechte Strafe,” denkt Hans-Peter. “Aber ich war auch wirklich ein elitäres Arschloch. Schon am allerersten Tag im fünften Stockwerk habe ich Nathalie gestichelt. Der stoische Björn am anderen Ende des Ganges war zu weit weg, um meine abschätzigen Bemerkungen zu hören, also hat Nathalie alles abbekommen. Proletarisches Wandgezücht, schau mich an und sieh, was Du nie sein wirst! Bete mich an, denn ich bin der Aschenbecher-Abfalleimer auf diesem Stockwerk! Der einzige im ganzen Gebäude! Ich habe sie sogar eine hässliche, alte Wasserschluckerin genannt. Das hätte ich nie tun sollen.”

Der Abstieg hat schleichend begonnen. Als erstes wurde Hans-Peter unter Nathalie gestellt, damit die Programmierer und Mediamatiker es sich beim Rauchen auf der Treppe gemütlich machen konnten. Er, so nahe bei dieser Schnepfe? Das kann nicht sein! Was hat Nathalie gelacht, jedes hämische Kichern ein weiterer Dorn in Hans-Peters Seite. Er revanchierte sich damit, Nathalie vorzuhalten, dass er viel beliebter als sie sei. Und er sollte Recht behalten: tagtäglich bevölkerten neue Zigarettenstummel sein Bett aus weissem Sand, welches in regelmässigen Abständen ausgetauscht wurde.

Aber nach ein paar Wochen musste Hans-Peter mit Schrecken feststellen, dass die Besucher weniger wurden. Sollten sich etwa Nichtraucher in den beiden Firmen eingefunden haben? Stecken diese Leute auch hinter dem Fehlen des weissen Sandes? Vor einigen Tagen wurde Hans-Peter wie üblich geleert, aber kein Sand nachgefüllt. Oder haben sich gar Nathalie und der stoische Björn am anderen Ende des Ganges gegen ihn verschworen, um ihm die Raucher abzuluchsen? Nein – auch die beiden Wasserschlucker wurden weniger frequentiert als noch die Woche davor. Die Zahl der Besucher mag gesunken sein, dafür verblieben die treuen Raucher länger, um aufgeregt über Dinge zu diskutieren, die Hans-Peter nicht richtig verstand. Aber das kümmerte ihn nicht: ob mit weissem Sand oder ohne, er war noch immer der beliebteste Ascher auf diesem Stockwerk.

Eines Tages begannen die Mediamatiker, Mobiliar an ihm vorbei zu schleppen. “Komisch,” sagte sich Hans-Peter, “wo bringen die denn meine Arbeitskollegen hin? Der Tisch da wurde zusammen mit mir gekauft, jetzt ist er im Lastenaufzug! Da nützt er doch niemandem was!” Nathalie kicherte nur und machte Hans-Peter gegenüber Andeutungen, die er auch nicht richtig verstehen konnte. Einige Tage darauf war Nathalie plötzlich furchtbar wütend. “Hans-Peter, weshalb bist Du noch hier? Weshalb haben die Mediamatiker dich nicht auch abtransportiert?” Nathalie schäumte, und Hans-Peter sonnte sich in ihrem Zorn. “Ich bin halt etwas Besonderes. Auf mich will man nicht verzichten!” Nathalie wurde ganz still, und schien es sich auf ihren Schrauben gemütlich zu machen. Sie paffte ein wenig Rauch aus ihrem Metall-Körper, offensichtlich wollte heute niemand Feuerwehr spielen. “Wie alt bist Du?” fragte sie Hans-Peter. “Ich bin schon 2 Jahre alt!” verkündete dieser stolz. Nathalie musterte Hans-Peter, und ihre Stimme verhärtete sich. “Hans-Peter, Du wurdest verlassen. Die Mediamatiker haben dich verstossen. Niemand mag dich.” “Nein!” schrie Hans-Peter erbost, “Du alte Institutions-Schlampe bist nur neidisch darauf, dass die langhaarigen Grunzer von nebenan ihre Zigaretten nur in MIR ausdrücken! Und jetzt willst Du mich mit deinen Lügengeschichten täuschen! Ich mag noch jung sein, aber dich durchschaue ich!”

Seither hat Nathalie kein Wort mehr mit Hans-Peter gewechselt, was Hans-Peter auch recht war. Er hatte seine treuen Besucher, die sich aufopfernd um ihn kümmerten. Sie leerten selbst den Aschenbehälter, und so konnte er es ihnen verzeihen, dass sie seinen Bauch bis zum Bersten mit Red Bull-Dosen füllten. Komisch. Früher fühlte er sich nie so voll. Das muss das Alter sein. Aber die Besuche nahmen zusehens ab, und jetzt schenkt niemand bis auf den Mann mit den komischen Haaren Hans-Peter mehr als fünf, zehn Minuten Aufmerksamkeit am Tag. Von den möbeltragenden Mediamatikern hat Hans-Peter schon lange nichts mehr gesehen, und Nathalie reagiert auf keinen seiner Versuche, ein Gespräch anzufangen. Seine wenigen Besucher beklagen sich über den vollen Abfalleimer, und nicht selten bleiben Sie der Sonnenseite fern, um den stoischen Björn am anderen Ende des Ganges mit Zigaretten zu füttern und zwischendurch zu löschen. Selbst seine Lackierung hat Schrammen abbekommen, ohne dass es jemanden zu kümmern scheint. Und gestern wurde er gar als Türstopper eingesetzt.

In der Dunkelheit sind die einzigen Geräusche das Prasseln des Regens und Nathalies selbstzufriedenes Summen. Hans-Peter war nie ein Aschenbecher-Abfalleimer, der viel über das Leben nachdachte, aber ein kleiner Teil von ihm fragt sich, ob Nathalie nicht Recht hatte mit Ihren gemeinen Behauptungen. Eine zerdrückte Red Bull-Dose rutscht aus seinem Bauch und prallt laut auf dem Steinboden auf. Nathalie hält in Ihrem Gesumme inne. Bricht Nathalie endlich ihr Schweigen? Hoffnungsvoll schaut Hans-Peter hoch zum alten, verschraubten Aschenbecher, und Nathalie sagt:

“Ich hasse dich, Hans-Peter.”

Ein Abgesang auf die New-Economy, geschrieben 2003. Aus Gründen. Und heute irgendwie wieder relevant, aus anderen Gründen, deshalb herausgekramt.

You hate dating on the wobble? Stop it, then.

This is a no-brainer. You feel dirty after you dated dudes you met in a chat room? Stop doing it. If it’s part of your psychological profile, an expression of your illness, a tendency to use Sex and the City as a guideline, whatever: Stop doing it.

Might very well be the shortest article on this site to date. Figures.

Why you suck as online publicist, and what to change.

You can’t force people to appreciate your product or services. You also can’t force them to like your marketing spiel. And if you try to play “the community” you’ll #fail, especially in so-called Social Media circles.

Some might remember my getting a tiny little bit ranty the other day, some probably wondered what the hells that was all about. Well. In this article, I’ll leave the swearing out as much as possible and try to make a point. Point being: Marketing sucks. At least when it’s done ham-fisted and accompanied by unbelievable arrogance.

Good products don’t need pestering.

Let me broaden the statement a bit: Good products virtually sell on their own, and great content will draw people towards your offerings better than any amount of banner ads, employing a “social media officer”, or sheer all-out lying.

Interesting stuff spreads like wildfire on the wobble. Funny crap, incredible concepts, ideas turning into memes, &c don’t have the least problem finding their respective audiences. And yes, you can use this for marketing purposes. Check out how e.g. Google pushes Chrome with crazy video clips that make you go WTF??? Such clips aren’t just funny, they transport a message. A message even rabid anti-marketers might spread without feeling used. Hey, after all I got a chuckle out of it, so I don’t mind sending it to my friends. Even if, in the end, it’s advertising. The laugh is worth it.

But for some weird reason, too many established companies don’t get it. Or rather, won’t get how different a beast the Internet has become compared to older media outlets. They still think in “views” and “ad impressions” and “followers” and “fans” et al. With devastating results.

How the Wobble is different.

You know, there’s an “inter” in “Internet”. And there’s a “web” in “WWW”. Like, people interconnecting, building a web both of communication and trust. Oh yes, trust. I’ll get to that later.

For some ages-old businesses, the Web still looks like another goggle-box con direct pestering addressing potential customers. What these companies fail to see are three things:

  • Humans are flooded with information.
  • People trust other people’s estimates more than advertising agencies.
  • The Net is fast. Like, really fast.

Well, that wasn’t quite fair: Said corporations are well aware of those points but somehow don’t manage to see the relevance. So let me phrase it in non-corporate language:

Don’t spam.

It’s sad I have to point this out. Humans have to digest dozens if not hundreds of information chunks a day. Filling my mailbox with “wanna follow XY?” or my profiles with WIN WIN WIN! won’t make me happy. No, I’ll hit the spam button or just plain block you.

Don’t piss off people, there’s a good marketing chap.

Trust is important.

You can’t expect people to “follow” a fake account and accept information posted through such profiles. You also can’t force people to send prepared information to their well-honed contacts lists. Why should I risk annoying my friends with content and advertisements they already know of? Or, even worse, will consider lovely spam?

Interesting individuals – multipliers you call them, no? – are very much, well, interested in maintaining both their status and credibility. For some, it’s their very livelihood to be taken seriously. Most, if not all, web citizens though simply hate to be used. Most humans hate it, too, so there you are:

Don’t piss off people, there’s a nice marketing boy.

No old news.

If it is on the wobble, it is on the wobble. World-wide, immediately. You want to connect to consumers that are already interested in a topic? Then don’t bore them with old news – that is, news that’s older than, say, 12 hours. If they’re relevant “multipliers”, they already know. And see your great, grand content offering either as lame or, again, spam.

I am well aware that your own mummified business has had national and regional subsidiaries for ages. Accompanied by the most complicated legal codes the human mind – apart from German tax attorneys’ – can devise. But don’t believe your target audience are fools. At best, they’ll bitch about your spamming them with information they’ve already dismissed ages ago. At worst, they’ll be very, very offended. Do they think I haven’t heard about this already? Are they trying to push me into compliance? Do they think I’m that easily conned into re-publishing crap?

Well, you know – don’t piss off people, will you? Thanks, guv.

The arrogance that is antique business models.

It’s not rocket science, dudes and dudettes. Common courtesy paired with common sense. But that’s too … common for you, isn’t it?

Because, after all, you’ve been around for a couple of decades/centuries and know how stuff works™. People should be damn grateful to be allowed to buy your product. No, even watch your ads on TV and – naturally – on the Internets! Damn grateful, so why the hell don’t they spread the word about Product X the way my old-world marketing project plan predicts? It worked in the past! It has worked for dozens of years! It – just – works – that – way!

Well, you guessed it: It doesn’t. So either get wise or get off the Web. Wise sounds fine? Here’s how.

What to do as a good Internet publicist.

Make it easy for people to spread stuff or join causes. You want users on Facebook to participate in a contest? Well, then don’t ask for stuff the media shoot well-worded NOES against. Like filming yourself naked and putting it online or something. After inviting 16+ of your own friends or jump through burning wheels of fire. Or something.

If you build great content, they will come. Not large enough an audience to release interesting stuff on the wobble? Well, hen/egg, anybody? Why should I follow you on Twitter if you just rehash old crap nobody cares about? So I get spammed with messages telling me things I’ve known of for half a year already? Get real.

Don’t piss off people. Seriously. Just don’t.

Further reading.

Naturally, I’m far from the first to point this out. May I direct your attention to Lindsay Robertson’s Do’s and Don’ts of Online Publicity? Or, related, Merlin’s ramblings about sensible use of his content? Yes? Well, enjoy the read. It’s well worth it and might save your marketeer’s ass in times to come.

Damn, I still ended up cussing. Apologies.